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Finanzkonglomerate

Finanzkonglomerate sind Finanzgruppen, die ihre Dienstleistungen und Produkte in verschiedenen Finanzbranchen (Banken-, Wertpapierdienstleistungs- und Versicherungsbranche) anbieten. Der sektorübergreifenden Bedeutung von Finanzkonglomeraten wird durch spezielle aufsichtsrechtliche Regelungen Rechnung getragen, deren Zielsetzung im Folgenden kurz vorgestellt wird.

Hier finden Sie Informationen zu:

  • Finanzkonglomerate-Richtlinien
  • Finanzkonglomerategesetz

Auf Grund der wechselseitigen Verflechtungen, welche bei Eintritt von finanziellen Schwierigkeiten zu sektorübergreifenden Effekten führen könnten, wurde im Dezember 2002 die „Finanzkonglomerate-Richtlinie“ (2002/87/EG) verabschiedet. Damit wurde für Kreditinstitute, Versicherungsunternehmen und Wertpapierfirmen eines Finanzkonglomerats, die in einem beträchtlichen Umfang branchenübergreifend tätig sind und bestimmte Schwellenwerte überschreiten, eine zusätzliche Beaufsichtigung eingeführt.

Vor der Verabschiedung dieser EU-Richtlinie waren branchenübergreifende Beteiligungen an Unternehmen anderer Finanzbranchen zur Gänze als geeignete Vermögenswerte zur Bedeckung von eingegangenen Risiken anerkannt. Dies hätte im schlimmsten Fall zu einer Eigenmittel-Unterdeckung eines Finanzunternehmens führen können. Der Verbrauch von Eigenmitteln in einem Sektor für die Abdeckung schlagend gewordener Risiken, hätte gleichzeitig zu einem Verlust der Eigenmittel in einem anderen Sektor geführt. Wären gleichzeitig Risiken im anderen Sektor realisiert geworden, wäre die Risikotragfähigkeitsmasse bereits aufgebraucht gewesen. Die scheinbare Sicherheit durch eine aufsichtsrechtlich grundsätzlich ausreichende Eigenmittelausstattung hätte sich als trügerisch erwiesen, denn eines der beiden Unternehmen wäre insolvent gewesen.

Die Richtlinie sieht – um diese Doppelbelegung von Eigenmitteln („double-gearing“) zu verhindern – eine Abzugsverpflichtung für alle sektorübergreifenden Beteiligungen in der Finanzbranche vor. Derartige Vermögenswerte sind nicht länger für die Risikotragfähigkeitsmasse geeignet. Die Beurteilung der konglomeratsweiten Solvabilität, die Überwachung von Risikokonzentration und gruppeninternen Transaktionen sollen ermöglicht werden.

2011 wurden mit der Richtlinie 2011/89/EU  (FiCoD I) die Vorgaben zur zusätzlichen Beaufsichtigung der Finanzunternehmen eines Finanzkonglomerates – unabhängig von den zu Grunde liegenden rechtlichen Konstruktionen – neben der sektorspezifischen Beaufsichtigung effektiver gestaltet. Auch die Koordination zwischen den Aufsichtsbehörden wurde gefördert und verstärkte Kohärenz zwischen den sektorspezifischen Zielsetzungen hergestellt. Insgesamt ist die Finanzkonglomerateaufsicht auf Basis der Erfahrungen aus der Finanzkrise modernisiert worden.

Bei der Umsetzung der „Finanzkonglomerate-Richtlinie“ (2002/87/EG) in nationales Recht, entschied sich Österreich zwecks der besseren Handhabung und Übersichtlichkeit für die Schaffung eines eigenen Gesetzes – dem Finanzkonglomerategesetz (FKG – BGBl. I Nr. 70/2004).

Wesentliche Maßnahmen des Finanzkonglomerategesetz:

  • Festlegung von Informationspflichten für beaufsichtigte und unbeaufsichtigte Unternehmen eines Finanzkonglomerats
  • Definition homogener Solvabilitätsanforderungen auf Finanzkonglomeratsebene
  • Anpassung bestehender Aufsichtsgesetze zur Vermeidung von Aufsichtsarbitrage
  • Zuständigkeit der Finanzmarktaufsicht für die zusätzliche Beaufsichtigung

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