Sprache umschalten / Switch language
  • de Deutsch (aktiv)
Whistleblower-System
Springe zu: Fußzeile

Historische Entwicklung

Die risikobasierte Versicherungsaufsicht („Solvency II“) wurde auf europäischer Ebene mehrere Jahre vorbereitet. Die Meilensteine werden in diesem Abschnitt überblicksweise dargestellt.

Hier finden Sie Informationen zu:

Seit den 90er Jahren wurde von der damaligen Europäischen Aufsichtsbehördenkonferenz an der Verbesserung (Solvency I) und Neuausrichtung (Solvency II) der 1973 für Nicht-Lebensversicherungen und 1979 für Lebensversicherungen eingeführten EU-Solvabilitätsvorschriften gearbeitet. Die 1994 installierte Solvency I Arbeitsgruppe der Europäischen Aufsichtsbehördenkonferenz unter der Leitung des damaligen Vize-Präsidenten des deutschen Bundesaufsichtsamtes für Versicherungswesen, Dr. Helmut Müller, veröffentlichte 1997 einen Schlussbericht, in dem festgehalten wurde, dass sich die europäischen Solvabilitätsrichtlinien im Kern bewährt hätten. Es zeigte sich jedoch auch, dass die damaligen Eigenmittelvorschriften nicht alle Risiken adäquat berücksichtigten. Daher wurde 1997 beschlossen, ein allumfassendes System zur Schaffung neuer Eigenmittelvorschriften zu konzipieren.

In einem ersten Schritt wurden die notwendigsten Änderungen in den bestehenden Richtlinien vorgenommen (Solvency I). In Österreich sind diese Regelungen mit 1. Jänner 2004 in Kraft getreten.

Solvabilitätsvorschriften unter Solvency I

Im österreichischen Versicherungsaufsichtsgesetz 1978 (VAG) wurden mit der VAG-Novelle 1986 erstmals Bestimmungen geschaffen, die den in den EU-Richtlinien vorgesehenen Eigenmittelbestimmungen weitgehend nachkommen. Die gesetzlichen Vorschriften wurden seither des Öfteren geändert, wobei die letzte wesentliche Änderung durch die VAG-Novelle 2003 erfolgte, mit der die Richtlinien zur Bestimmung der Solvabilitätsspanne umgesetzt wurden (Solvency I). Die Novelle trat am 1. Jänner 2004 in Kraft. Im Vergleich zu den erwarteten Änderungen im Rahmen von Solvency II wurden lediglich geringe Adaptierungen vorgenommen.

Die Überarbeitung des gesamten Systems sollte erst in einem zweiten Schritt erfolgen. Sämtliche darauf hinauszielende Bemühungen wurden unter dem Stichwort „Solvency II“ zusammengefasst.

Angestrebt wurde die Schaffung eines neuen europäisches Aufsichtssystems, das den Aufsichtsbehörden geeignete qualitative und quantitative Werkzeuge zur Verfügung stellen sollte, um die Gesamtsolvabilität eines Versicherungsunternehmens ausreichend beurteilen zu können.

Das zuvor geltende statische System zur Bestimmung der Eigenmittelausstattung sollte durch ein risikobasiertes System – inklusive der Berücksichtigung qualitativer Elemente – ersetzt werden.

Folgende Studien hatten großen Einfluss auf die Entwicklung von Solvency II:

KPMG Studie 2002
Von den Kommissionsdienststellen wurde KPMG Deutsche Treuhand Gesellschaft der Auftrag für eine umfassende Untersuchung der Methoden zur umsichtigen Beaufsichtigung der Finanzlage eines Versicherungsunternehmens gegeben: „Study into the methodologies to assess the overall financial position of an insurance undertaking from the perspective of prudential supervision.“

Sharma Report
Im Juli 2001 wurde vom Committee of European Insurance and Occupational Pensions Supervisors (CEIOPS, mittlerweile EIOPA) eine Arbeitsgruppe mit dem Ziel gegründet, Beiträge der nationalen Aufsichtsbehörden zum Projekt „Solvabilität II“ einbringen zu können. Die Gruppe hat historische Entwicklungen, Gründe für die Ausfälle von Versicherungsunternehmen sowie neue Tendenzen bezüglich der Risikoanalyse von Versicherungsunternehmen untersucht.

Auf Basis der Erkenntnisse aus den oben genannten und anderen Studien (EU-Arbeitsgruppen, IAA – International Association of Actuaries, IAIS – International Association of Insurance Supervisors, KPMG Studie) entschied man sich, ähnlich dem Aufbau von Basel II, einen den Versicherungsspezifika angepassten Drei-Säulen-Ansatz für Solvency II zu wählen.

  • Risikobasierte Unternehmenssteuerung und risikobasierte Eigenmittelberechnung
  • Harmonisierung und Konvergenz in Europa
  • Basel II Kompatibilität (sofern sinnvoll, sind gewisse Techniken auch für Versicherungen anzuwenden)
  • Wandel von einem regelbasierten System zu einem prinzipienbasierten System (z.B. Wegfall von starren Regeln, dafür flexiblere Eingriffsmöglichkeiten und mehr qualitative Anforderungen)
  • Kompatibilität mit internationalen Rechnungslegungsstandards
  • Drei Säulen Ansatz:
    – Säule I – Kapitalanforderung
    – Säule II – Governance-Vorschriften
    – Säule III – Veröffentlichungs- und Meldevorschriften

Weitere Informationen