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Whistleblower-System

1×1 des Beratungsgesprächs

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Schutz- und Aufklärungspflichten der Berater

Finanzdienstleister haben strenge Schutz- und Aufklärungspflichten gegenüber ihren Kunden. Das WAG legt für die Erbringung ihrer Dienstleistungen Verhaltenspflichten („Wohlverhaltensregeln“) fest, die bei vielen Produkten des Kapitalmarktes zu beachten sind.

Bei der Erbringung von gewerblichen Dienstleistungen, die mit Wertpapieren oder der sonstigen Veranlagung des Vermögens von Kunden im Zusammenhang stehen, sind die Interessen der Kunden bestmöglich zu wahren. Diese Dienstleistungen sind von Finanzdienstleistern mit der erforderlichen Sachkenntnis, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit im Interesse des Kunden (wie zum Beispiel eine zeitnahe Ausführung der Order zum bestmöglichen Preis) zu erbringen.

Ein Finanzdienstleister hat sich um die Vermeidung von Interessenkonflikten zu bemühen und dafür zu sorgen, dass bei unvermeidbaren Interessenkonflikten der Kundenauftrag unter der gebotenen Wahrung des Kundeninteresses ausgeführt wird. Lässt sich eine Beeinträchtigung des Kundenintereses nicht vermeiden, hat der Finanzdienstleister dem Kunden Art und Ursache des Interessenkonflikts offenzulegen, bevor er Geschäfte für den Kunden tätigt.

Weiters müssen die Erbringer von Finanzdienstleistungen von ihren Kunden Angaben über ihre Erfahrungen und Kenntnisse in Geschäften, die Gegenstand der Finanzdiensleistungen sein sollen, über ihre mit den Geschäften verfolgten Ziele und über ihre finanziellen Verhältnisse verlangen, soweit dies zur Wahrung der Interessen der Kunden und in Hinblick auf Art und Umfang der beabsichtigten Geschäfte erforderlich ist. Diese gesetzliche Vorschrift dient Ihrem Schutz und gibt Ihrem Berater überhaupt erst die Möglichkeit, Sie zu beraten.

Der Finanzdienstleister, der diese Fragen nicht stellt, ist unprofessionell und verstößt gegen das Gesetz. So hat der Finanzdienstleister beispielsweise die Pflicht, ein Kundenprofil zu erstellen, das er auf Verlangen auch dem Kunden übermitteln muss.

Darüber hinaus müssen den Kunden alle erforderlichen Informationen (zum Beispiel Eigenschaften und Risiken des Geschäftes, Kosten, Laufzeiten, Preislimits, Börseplatz) zu der geplanten Veranlagung mitgeteilt werden,  soweit dies zur Wahrung der Interessen der Kunden und in Hinblick auf Art und Umfang der beabsichtigten Geschäfte erforderlich ist. Dieser Passus erlegt dem Finanzdiensleister eine umfassende Informations- und Risikoaufklärungspflicht auf.

Oft sind Details der Veranlagung erst in den Geschäftsbedingungen nachzulesen. Es empfiehlt sich daher, genau nach den Bedingungen der Veranlagung zu fragen.

Grundsätze des Beratungsgesprächs

Die Beratung muss auf die persönlichen Verhältnisse des Kunden abgestimmt sein – es gilt der Grundsatz: „Die richtige Anlageform für den richtigen Kunden“. Weicht der Anlagewunsch maßgeblich von Anlagezielen und der Risikobereitschaft des Kunden ab, so muss der Kunde darüber aufgeklärt werden.
Die Beratung muss sowohl auf die allgemeinen Risken der Anlage (etwa Marktentwicklung, Zinsentrends, Wertentwicklung) als auch auf die speziellen Risken der betreffenden Anlageform (Bonität, Laufzeit, Kurs-, Zins- und Währungsrisiko) hinweisen. Der Kunde muss in die Lage versetzt werden, die Anlageform in ihren Merkmalen, Chancen und Risken sowie hinsichtlich möglicher steuerlicher Auswirkungen kennenzulernen und beurteilen zu können. Insbesondere ist bei strukturierten Anlageformen über deren Funktionsweise/Risken (anlagegerechte/produktspezifische Beratung) im Einzelfall aufzuklären.
Beim Beratungsgespräch besteht die Verpflichtung zur vollständigen und richtigen Information des Kunden. Die Auskünfte müssen wahr und für den einzelnen Kunden verständlich sein. Sowohl die Angabe unrichtiger Informationen als auch die Vorenthaltung von für die Anlageentscheidung des Kunden wichtigen Gesichtspunkten (zum Beispiel negative Tatsachen) können haftungsbegründend sein. Der Kunde muss in die Lage versetzt werden, die Auswirkungen seiner Anlageentscheidung zu erkennen.
Im Rahmen der Anlageberatung endet die Beratungspflicht des Kreditinstituts oder der Wertpapierfirma mit Ausführung des Kundenauftrages. Für laufende Betreuung stehen besondere Dienstleistungen (zum Beispiel Vermögensverwaltungsvertrag) zur Verfügung. In der Folge wird das Kreditinstitut oder die Wertpapierfirma den Kunden über eingetretene Änderungen, die den Wert der Anlageformen beeinflussen, dann informieren, wenn er danach fragt und dem Kreditinstitut oder die Wertpapierfirma diese Information zur Verfügung steht.

Falschberatung

Entspricht das Kreditinstitut oder die Wertpapierfirma nicht den oben beschriebenen Grundsätzen des Beratungsgesprächs, so kann eine Falschberatung vorliegen.

Bei persönlichen Empfehlungen des Beraters an den Kunden ist ein besonders hoher Sorgfaltsmaßstab – vor allem auch hinsichtlich der Richtigkeit und Vollständigkeit der weitergegebenen Informationen – anzuwenden. Ziel des Beratungsgesprächs ist, dass der Kunde nur in solchen Anlageformen veranlagt,

  • über deren Funktionsweise und Risken er ausreichend informiert ist,
  • die im Einklang mit seinen Anlagezielen stehen,
  • die im Rahmen seiner persönlichen und finanziellen Verhältnisse vertretbar erscheinen.

Quelle: Leitfaden zur Anwendung der Wohlverhaltensregeln nach dem Wertpapieraufsichtsgesetz 2007, WKO (Bank – Versicherung)

 

  • Wie hoch ist das Risiko eines Verlustes bei dieser Veranlagung? Denn oft werden Produkte als risikolos bezeichnet und wenn Verluste eintreten, wird damit argumentiert, dass „etwas Unvorhergesehenes“ passiert sei.
  • Wie ist die Bonität (Kreditwürdigkeit) des Emittenten? Unterliegt das Wertpapier oder der Emittent einem Rating durch eine offizielle Ratingagentur? Darunter ist eine standardisierte Bonitätsbeurteilung zu verstehen, die eng mit der Kreditwürdigkeit im Zusammenhang steht, aber weit darüber hinausgeht, da das gesamte Unternehmen durchleuchtet wird.
  • Wird das Wertpapier an einer Börse gehandelt?
  • An welcher Börse und in welchem Marktsegment? Die Notierung eines Wertpapiers an einer regulierten und überwachten Börse ist ein Zeichen dafür, dass dieses Papier unter gewissen Sicherheits- und Ordnungsmäßigkeitskriterien gehandelt werden kann. Seien Sie daher vorsichtig, wenn Ihnen jemand Aktien anbietet, die an keiner anerkannten Börse, einem sogenannten „Geregelten Markt“, notieren. Häufig wird dabei versichert, dass ein Börsengang des betreffenden Unternehmens unmittelbar bevorstehe und nur mehr Formalitäten geklärt werden müssen. In vielen Fällen denkt das Unternehmen gar nicht daran, an die Börse zu gehen, oder würde die Kriterien für einen Börsengang nicht erfüllen. Beim Erwerb solcher Aktien müssen Sie sich bewusst sein, dass die Wahrscheinlichkeit nicht gering ist, dass Sie für das Papier entweder gar keinen Abnehmer finden oder es nur mit einem erheblichen Wertverlust veräußern können.
  • Wie rasch kann im Bedarfsfall über die Anlagewerte verfügt werden? Ist die Liquidität des Anlagewertes so ausreichend, dass der Anlagewert in etwa zum jeweiligen indizierten Preis auch tatsächlich verkauft werden kann?
  • Muss bei einem vorzeitigen Verkauf des Papiers mit zusätzlichen Spesen oder gar einer Reduzierung des Gewinns gerechnet werden?
  • Ist eine vorzeitige Kündigung möglich?
  • Können sich aus dem Investment Nachschussverpflichtungen ergeben?

Fragen Sie, wenn Sie einen Prospekt bekommen, ob es sich um einen Pflichtprospekt nach dem Kapitalmarktgesetz (KMG) oder nach dem Börsegesetz (BörseG) handelt, der von einem Prospektprüfer oder der FMA geprüft beziehungsweise gebilligt wurde. Emittent, Prospektkontrollor, Abschlussprüfer oder Ihr Finanzdienstleister haften nur dann, wenn es sich um einen Pflichtprospekt handelt. Auf Wunsch ist der Finanzdienstleister verpflichtet, Ihnen einen allfälligen Prospekt zu übergeben.

Handelt es sich um einen Kapitalanlagefonds sind entsprechende Informationsdokumente (beispielsweise Prospekt, Kundeninformationsdokument, Wesentliche Anlegerinformationen) zur Verfügung zu stellen, damit eine Anlageentscheidung getroffen werden kann. Für Alternative Investmentfonds (AIF) gibt es ein eigenes Informationsdokument gemäß § 21 Alternative Investmentfonds-Manager-Gesetz (AIFMG).

Oftmaliges Kaufen und Verkaufen Ihrer Wertpapiere muss sich nicht unbedingt als Vorteil für Ihre Investition herausstellen, sondern kann durch unnötig verursachte Spesen- und Provisionsschinderei, auch „churning“ genannt, zu Verlusten Ihres Kapitals führen. Überprüfen Sie also regelmäßig Ihr Depot und fragen Sie bei Unklarheiten Ihren Berater.

Werbung

Grundsätzlich muss Informations- und Werbematerial fair sein, Inhalte müssen klar vermittelt werden und es darf nicht irreführend sein. Sämtliche Marketingmitteilungen und Werbematerialien müssen so präsentiert werden, dass Sie diese als Werbung erkennen können.

Allzu häufiges Auftreten von Finanzdienstleistern in Medien ist noch kein Indiz für Seriosität. Finanzinserate, mit denen explizit Kundengelder gesucht werden, sind grundsätzlich risikobehaftet.

Marktübliche Entgelte

Die FMA hat die Bandbreiten für marktübliche Entgelte der Wertpapierfirmen auf ihrer Website zu veröffentlichen.

Die Veröffentlichung der Bandbreiten für marktübliche Entgelte der Wertpapierfirmen soll – unter anderem auch im Hinblick auf das Erkennen möglicher Interessenkonflikte – eine Orientierungshilfe für Kunden bei der Inanspruchnahme von Wertpapierdienstleistungen bieten. In diesem Zusammenhang besteht für Wertpapierfirmen die zusätzliche Informationspflicht gegenüber ihren Kunden, auf die von der FMA veröffentlichten Bandbreiten für marktübliche Entgelte hinzuweisen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Schutz des Kundenvermögens

Hält ein Unternehmen Finanzinstrumente oder Gelder, die Ihnen gehören, muss es geeignete Vorkehrungen treffen, um Ihre Eigentumsrechte zu schützen:

  • Finanzinstrumente und Gelder des Unternehmens bzw. anderer Kunden sind von Ihren Finanzinstrumenten und Geldern getrennt zu halten;
  • Es sind sorgfältige Aufzeichnungen und Konten zu führen und regelmäßig eine Abstimmung der Konten durchzuführen;
  • Das Unternehmen muss Ihnen mindestens einmal jährlich einen Bericht mit genauen Angaben zu den für Sie gehaltenen Finanzinstrumenten und Geldern zusenden.
  • In Österreich ist die genannte Anforderung hinsichtlich der Unterscheidbarkeit  der Gelder für ein Kreditinstitut bereits durch § 11 Depotgesetz (Verwahrungsbruch) abgedeckt.

Quelle: Leitfaden für Kunden zur Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente; Kapitalanlage in Finanzinstrumenten.

Bestmögliche Durchführung von Kundenaufträgen

Wenn Sie ein Unternehmen beauftragen, ein Finanzinstrument zu kaufen oder zu verkaufen, sollte Ihr Auftrag unverzüglich, im Verhältnis zu vergleichbaren Kundenaufträgen der Reihe nach (in der Reihenfolge, in der das Unternehmen den Auftrag erhalten hat) und rechtzeitig ausgeführt werden.

Wenn das Unternehmen aus irgendeinem Grund eine wesentliche Schwierigkeit bei der folgerichtigen Bearbeitung Ihres Auftrags hat, muss Ihnen das mitgeteilt werden.

Best execution bedeutet, dass das Unternehmen Ihre Aufträge so ausführen muss, dass es stets das bestmögliche Ergebnis für Sie erreicht. Dies wird als „best execution“ – bestmögliche Durchführung – bezeichnet.

Grundsätzlich soll Ihr Unternehmen die Ausführungsplätze ermitteln, die eine bestmögliche Durchführung ermöglichen. Beispiele für Ausführungsplätze sind Börsen, Handelsplattformen, andere Unternehmen oder gegebenenfalls das von Ihnen beauftragte Unternehmen selbst.

Um die bestmögliche Durchführung Ihrer Aufträge zu erreichen, muss das Unternehmen eine Reihe von Aspekten wie zum Beispiel Preis, Ausführungskosten, Schnelligkeit und Wahrscheinlichkeit der Ausführung berücksichtigen.

Die wichtigsten Aspekte sind dabei der Preis und die Gesamtkosten (daher die gesamte von Ihnen für ein Geschäft zu zahlende Gegenleistung, einschließlich Preis, sämtlicher Auslagen, Gebühren des Ausführungsplatzes, Clearing- und Abwicklungsgebühren und sonstige Gebühren, die etwaigen an der Ausführung beteiligten Dritten zu zahlen sind).

Berichtspflichten gegenüber den Kunden

Ihr Finanzdienstleister muss Ihnen in geeigneter Form über die erbrachten Wertpapierdienstleistungen berichten. Die konkreten Berichtspflichten richten sich nach der Art der Dienstleistung, haben aber jedenfalls alle Kosten zu enthalten, die damit verbunden sind.

Quelle: Leitfaden für Kunden zur Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente, Kapitalanlage in Finanzinstrumenten.

Überweisung

Zahlen Sie das  keinesfalls auf das Konto des Wertpapierdienstleistungsunternehmens oder der Wertpapierfirma ein. Dadurch schließen Sie das Risiko aus, dass das Wertpapierdienstleistungsunternehmen oder die Wertpapierfirma Ihr Geld nicht an die Investmentfirma weiterleitet und sich auf Ihre Kosten bereichert. Es ist dem Wertpapierdienstleistungsunternehmen oder der Wertpapierfirma  verboten, Dienstleistungen zu erbringen, die das Halten von Geld, Wertpapieren oder sonstigen Instrumenten von Kunden umfassen, sodass das Unternehmen diesbezüglich zu keiner Zeit Schuldner seiner Kunden werden kann (dieses Verbot bezieht sich auch auf die Einrichtung von Sammeldepots).

  • Vergewissern Sie sich, dass das Konto, auf das Sie einzahlen, bei einer vertrauenswürdigen Bank eröffnet wird!
  • Nur Sie allein sind über dieses Konto verfügungsberechtigt!
  • Bedenken Sie, dass schon viele Anleger, zum Beispiel bei Überweisungen ins Ausland, ihr Geld verloren haben (Sammeldepots).

Häufig werden Geldkonten und Wertpapierdepots bei Banken und Brokern mit klingenden Namen eröffnet, deren Firmenname absichtlich verwechslungsanfällig mit erstklassigen Häusern ist. Fragen Sie auch hier bei Ihrer Hausbank nach. Möglicherweise ist der Broker berechtigt, im Auftrag Ihres Finanzdienstleisters Dispositionen an Ihrem Vermögen vorzunehmen, wovon Sie nichts wissen.