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Fremdwährungskredite

In diesem Beitrag werden das Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkreditrisiko sowie die bisherigen Aktivitäten der Aufsicht zur Eindämmung der Fremdwährungskredite an private Haushalte in Österreich näher beschrieben.

Im Zuge der Finanzmarktkrise sind die zusätzlichen mit Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkrediten einhergehenden Risiken für Banken und für Verbraucher verschärft sichtbar geworden. Bei Banken beziehen sich diese Risiken hauptsächlich auf das Refinanzierungsrisiko, das Reputationsrisiko und ein zukünftig mögliches Ausfallsrisiko auf Grund einer potenziell für den Kreditnehmer nachteiligen Wechselkursentwicklung. Das Risiko auf Verbraucherseite besteht hauptsächlich beim Währungs-, Zins- Vermögenspreisrisiko des Tilgungsträgers.

Das Volumen von Fremdwährungskrediten und Tilgungsträgerkrediten, die an private Haushalte in Österreich vergeben wurden, ist im internationalen Vergleich sehr hoch und birgt Gefahren für den heimischen Finanzmarkt. Dieses Faktum wird regelmäßig auch von internationalen Finanzinstitutionen (Internationaler Währungsfonds, Weltbank, Europäischer Ausschuss für Systemrisiken / ESRB) sehr kritisch gesehen und ist geeignet, die Reputation des Finanzplatzes Österreich zu beeinträchtigen.

Mindeststandards 2003

Die FMA hat bereits im Oktober 2003 „Mindeststandards für die Vergabe und Gestionierung von Fremdwährungskrediten (FMA-FX-MS)“ und „Mindeststandards für die Vergabe und Gestionierung von Krediten mit Tilgungsträgern (FMA-TT-MS)“ veröffentlicht, die sich an alle Kreditinstitute mit der Berechtigung zur Durchführung des Kreditgeschäfts (§ 1 Abs. 1 Z 3 BWG ) richteten.

Empfehlung zum Vergabestopp 2008 / Mindeststandards 2010

Da die Finanzkrise zu einer deutlichen Vergrößerung der genannten Risiken beiträgt, empfahl die FMA – entsprechend ihrem gesetzlichen Auftrag, bei der Erfüllung ihrer Aufgaben auf das volkswirtschaftliche Interesse an einem funktionsfähigen Bankwesen und an der Finanzmarktstabilität Bedacht zu nehmen (§ 69 Abs. 1 BWG ) – am 10. Oktober 2008 der Kreditwirtschaft nachdrücklich, keine Fremdwährungskredite mehr an private Haushalte zu vergeben. Um eine nachhaltige Reduzierung der bankgeschäftlichen Risiken in Bezug auf das Gesamtvolumen von Fremdwährungskrediten an private Haushalte zu erreichen, wurde diesbezüglich 2010 auch eine Ergänzung zu den entsprechenden Mindeststandards „FMA-FX-MS“ und „FMA-TT-MS“ vorgenommen (FMA-FXTT-EMS).

FMA-Mindeststandards 2013

Mit 2.1.2013 traten in Österreich neue FMA Mindeststandards zum Risikomanagement und zur Vergabe von Fremdwährungskrediten und Krediten mit Tilgungsträgern (FMA-FXTT-MS) in Kraft. Hauptanlass der Überarbeitung der drei bestehenden Mindeststandards (FMA-FX-MS, FMA-TT-MS, FMA-FXTT-EMS) war einerseits der durch die im September 2011 veröffentlichten ESRB Empfehlungen zu Fremdwährungskrediten (ESRB/2011/1) entstandene Anpassungs- bzw. Ergänzungsbedarf, andererseits die Notwendigkeit bisherige Erfahrungen in der Aufsichtstätigkeit in die Mindeststandards einfließen zu lassen. Die Verschmelzung der drei bestehenden Mindeststandards in ein Dokument dient des Weiteren der besseren Übersichtlichkeit und Kohärenz der bisherigen FMA Mindeststandards zu Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkrediten.
In den FMA-FXTT-MS aus dem Jahr 2013 wurden unter anderem Empfehlung (G.2) der ESRB/2011/1 umgesetzt, welche den Aufsichtsbehörden der Herkunftsmitgliedstaaten („home supervisors“) nahelegt, die in Aufnahmemitgliedstaaten („host supervisors“) getroffenen FWK Maßnahmen auf ihrer Website zu veröffentlichen.

Überarbeitete FMA-Mindeststandards 2017

In den überarbeiteten FMA-Mindeststandards 2017 wurden die Informationspflichten der Banken gegenüber den Kreditnehmern wesentlich verschärft, Vorgaben zur Verbesserung der Markttransparenz eingeführt, und ein eigenes Kapitel zu den von Banken zu treffenden Risikovorsorgen eingeführt. Dieser neue Mindeststandard tritt mit 1. Juni 2017 in Kraft.

Erweiterung der Informationspflichten: Sobald die Restlaufzeit des Kredites sieben oder weniger Jahre beträgt, hat die Bank dem Kunden in einem jährlichen Informationsschreiben die aktuelle Höhe des aushaftenden Kreditvolumens sowie gegebenenfalls den etwaigen aktuellen Stand des Tilgungsträgers mitzuteilen.
Verbesserung der Markttransparenz: Banken, deren Fremdwährungskreditvolumen mehr als 10% des Gesamtkreditbestandes beträgt oder die aufgrund von Fremdwährungskrediten und/oder Krediten mit Tilgungsträgern erhebliche Rechts- oder operationelle Risiken zu erwarten haben oder die mit einer Deckungslücke von zumindest 20% zu rechnen haben, sind zu bestimmten Offenlegungen gegenüber dem Finanzmarkt verpflichtet, um ein umfassendes Bild ihres Risikoprofils zu vermitteln.
Stärkung der Risikovorsorge der Banken: Für die Risikovorsorgen (Wertberichtigungen, Abschreibungen, Rückstellung) ist in einer zukunftsorientierten Betrachtungsweise verstärkt auf zukünftig zu erwartende Verluste abzustellen.

Link zu FMA-FXTT-MS 2017:

Diese Mindeststandards stellen keine Verordnung im rechtstechnischen Sinn dar, sondern sind als Interpretation der FMA als zuständiger Aufsichtsbehörde im Hinblick auf die gesetzlichen Sorgfaltspflichten zu sehen. Die FMA erwartet sich jedoch unter Hinweis auf § 39 Abs. 1 und 2 BWG , dass Kreditinstitute bei der Vergabe und Gestionierung von Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkrediten diese Mindeststandards einhalten. Die Mindeststandards hindern Kreditinstitute grundsätzlich nicht, höhere (interne) Standards festzulegen.

Ein Fremdwährungskredit ist ein hochspekulatives Finanzprodukt, welches aus Sicht der Finanzmarktaufsicht für private Haushalte nicht oder nur sehr bedingt geeignet ist. Die FMA hat daher seit ihrer Gründung im Jahr 2002 stets vor den Risiken in Zusammenhang mit Fremdwährungskrediten gewarnt.

Die FMA hat die Kreditinstitute durch die Erlassung von Mindeststandards zu besonderer Sorgfalt in Zusammenhang mit Fremdwährungskrediten angehalten. Diese „Mindeststandards zum Risikomanagement und zur Vergabe von Fremdwährungskrediten und Krediten mit Tilgungsträgern“ finden Sie auf der Website der FMA : Link zu den Mindeststandards

Die FMA hat gemeinsam mit der Österreichischen Nationalbank und der Österreichischen Wirtschaftskammer Informations-Folder erarbeitet, welche über die besonderen Risiken von Fremdwährungskrediten informieren und an Hand praktischer Beispielrechnungen ausdrücklich vor dieser Form der Währungsspekulation gewarnt. Diesen Folder stellt die FMA bis heute auf der Website zum Download zur Verfügung: Link zu den FMA-Publikationen

Im Oktober 2008, am Höhepunkt der globalen Finanzkrise, hat die FMA einen bis heute andauernden de facto Stopp der Neuvergabe von Fremdwährungskrediten an private Haushalte verhängt. Gleichzeitig hat die FMA die Kreditinstitute verpflichtet, die Entwicklung eines jeden Fremdwährungskredites laufend zu beobachten und bei einer Erhöhung des Risikos das Gespräch mit dem Kunden zu suchen, um Maßnahmen vorzuschlagen.

Die FMA hat es stets begrüßt, wenn Banken ihren Kunden sinnvolle Angebote zum Umstieg in einen Euro-Abstattungskredit gemacht haben, insbesondere da die FMA in diesem Zusammenhang keine konkrete Eingriffsmöglichkeit hatte und hat. Als die Schweizer Nationalbank im Jahr 2011 bekannt gab, den Wechselkurs bis auf weiteres bei 1,20 zum Euro zu deckeln, hat die FMA die Fremdwährungskreditnehmer aufgefordert, eine Umstiegsmöglichkeit in einen Eurokredit zu prüfen.

Damit ist es der FMA gelungen, das aushaftende Volumen um ca. 50 Prozent einzudämmen. Hatten 2008 noch 270.000 Haushalte einen Fremdwährungskredit, so sind es heute nur noch 110.000.

Mit der Aufhebung der Deckelung des Schweizer-Franken-Wechselkurses ist das Wechselkursrisiko erneut schlagend geworden, die FMA hat jedoch keine Möglichkeit, hier einzugreifen.

Ein Fremdwährungskredit ist nach wie vor ein hochspekulatives Finanzinstrument, welches mit hohen Risiken verbunden ist, welche jederzeit schlagend werden können. Die FMA empfiehlt weiterhin, sich mit der kreditgebenden Bank in Verbindung zu setzen um mit dieser die Lage der Finanzierung und der finanziellen Möglichkeiten genau zu analysieren, die der eigenen Risikobereitschaft entsprechenden Maßnahmen zur Risikobegrenzung genau zu prüfen und eine für jeden Kunden maßgeschneiderte Lösung zu erarbeiten.

In schwierigeren Konstellationen kann die Schlichtungsstelle ebenfalls zu einer Lösung beitragen. Nähere Informationen zur Schlichtungsstelle sind im Internet unter der Adresse https://verbraucherschlichtung.at zu finden.

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