Sprache umschalten / Switch language
Whistleblower-System

Warenderivate

Springe zu: Fußzeile

„Warenderivate“ sind Derivate, die eine Ware als Basiswert aufweisen. „Waren“ sind Güter fungibler Art, die geliefert werden können. Diese umfassen somit beispielsweise landwirtschaftliche Erzeugnisse, Metalle, Öl und Ölerzeugnisse, Kohle, Gas und Strom, aber auch „andere Waren“ wie Frachtsätze. Ebenso ist die Regulierung von Warenderivaten auch auf Emissionszertifikate oder Derivate auf diese anzuwenden.

Auch Zertifikate, die auf Warenpreise referenzieren („Warenzertifikate“), welche in Österreich an der Wiener Börse AG gehandelt werden, sind als Warenderivate zu klassifizieren.

Wie werden Warenderivate reguliert?

Mit Umsetzung der MiFID II im BörseG 2018 und WAG 2018 kommt es zu speziellen Regulierungen von Märkten für Warenderivate. Nunmehr unterliegen nicht nur alle Teilnehmer an Märkten für Warenderivate einer angemessenen Regulierung und Aufsicht nach der MiFID II (sofern nicht die Nebentätigkeitsausnahme zur Anwendung gebracht wird), sondern es werden auch besondere Positionslimits und umfassende Meldeverpflichtungen (Positionsmeldungen) für Teilnehmer an Märkten für Warenderivate normiert. Ziel dieser Maßnahmen ist es die Regulierung, Funktionsweise und Transparenz der Finanz- und Warenmärkte zu verbessern und gegen übermäßige Schwankungen der Rohstoffpreise vorzugehen. Die Bestimmungen betreffend Warenderivate nach dem BörseG 2018 und dem WAG 2018 treten am 3. Jänner 2018 in Kraft.

Wer ist betroffen?

Vom Anwendungsbereich der Bestimmungen betreffend Warenderivate sind (in unterschiedlichem Ausmaß)

  • Teilnehmer am Warenderivate-Handel,
  • Handelsplätze, an denen Warenderivate gehandelt werden, sowie
  • Wertpapierfirmen bzw. Kreditinstitute und ihre Kunden

erfasst.

Was sind die Kernpunkte der Regulierung von Warenderivaten?

Grundsätzlich ist für den gewerblichen Handel mit Warenderivaten eine Zulassung als Wertpapierfirma nach der MiFID II notwendig. Personen, die u.a. für eigene Rechnung mit Warenderivaten handeln, können jedoch unter Erfüllung der Voraussetzungen gem. § 2 Abs. 1 Z 13 WAG 2018 iVm Delegierter Verordnung (EU) 2017/592 von der Nebentätigkeitsausnahme Gebrauch machen, sofern diese Personen der FMA jährlich die Inanspruchnahme der Nebentätigkeitsausnahme anzeigen.

Die zuständige Behörde für die Anzeige der Nebentätigkeitsausnahme ist diejenige, bei welcher die Person eine Zulassung als Wertpapierfirma nach der MiFID II beantragen müsste. D.h., grundsätzlich haben Personen, die ihren Sitz in Österreich haben, der FMA als zuständige Behörde die Anzeige der Nebentätigkeitsausnahme zu erstatten, sofern sie davon Gebrauch machen.

Um Personen die Erbringung der Anzeige der Nebentätigkeitsausnahme zu erleichtern und eine weitestgehend einheitliche Übermittlung zu gewährleisten, ist das folgende Excel-Formular vollständig zu befüllen und an die FMA per E-Mail an warenderivate@fma.gv.at zu übermitteln.

Es wird darauf hingewiesen, dass auf Anforderung der FMA die Grundlage der Auffassung mitzuteilen ist, auf der die Tätigkeit eine Nebentätigkeit zur Haupttätigkeit darstellt.

Um bei der erstmaligen Anwendbarkeit der MiFID II am 03. Jänner 2018 von der Nebentätigkeitsausnahme Gebrauch zu machen, ist diese mit 03. Jänner 2018 der FMA anzuzeigen. In den Folgejahren ist gem. § 2 Abs. 1 Z 13 WAG 2018 iVm Art. 4 Delegierter Verordnung (EU) 2017/592 die Anzeige der Nebentätigkeitsausnahme jährlich innerhalb des ersten Quartals des Kalenderjahres zu erstatten.

Die Delegierte Verordnung (EU) 2017/592 legt detaillierte Kriterien fest, nach denen eine Tätigkeit als Nebentätigkeit zur Haupttätigkeit gilt. Dafür ist die gesamte Markthandelstätigkeit in der Union je nach Warenklassen zu betrachten. Um dabei eine einheitliche Vorgehensweise in der Union zu gewährleisten hat ESMA eine Opinion vom 06.07.2017 (ESMA70-156-165) mit erhobenen Zahlen der Jahre 2015 und 2016 veröffentlicht.

ESMA-Opinion vom 06.07.2017 (ESMA-70-156-165)

Positionslimits legen eindeutige quantitative Schwellenwerte für die maximale Größe einer Nettoposition fest, die eine Person jederzeit in Warenderivaten, die an Handelsplätzen gehandelt werden, und in wirtschaftlich gleichwertigen OTC-Kontrakten halten darf. Positionslimits sind von der zuständigen Behörde des Handelsplatzes in Übereinstimmung mit der Delegierten Verordnung (EU) 2017/591 festzulegen.

Positionslimits für die in Österreich an der Wiener Börse AG gehandelten Warenzertifikate werden durch die FMA durch § 2 Warenderivate-VO iVm Art. 15 Delegierte Verordnung (EU) 2017/591 auf 2,5 Millionen Stück festgelegt, sofern deren Emissionsvolumen 10 Millionen Stück nicht überschreitet.

Handelsplätze, an dem Warenderivate gehandelt werden, haben Positionsmanagementkontrollen durchzuführen. Diese Kontrollen haben u.a. die Befugnis des Handelsplatzes zu umfassen, die offenen Positionen jeder Person zu überwachen, von jeder Person Zugang zu Informationen zu erhalten, sowie von jeder Person gegebenenfalls die Auflösung oder Reduzierung einer Position zu verlangen. Handelsplätze haben die zuständige Behörde über die Einzelheiten der Positionsmanagementkontrollen zu informieren.

In Österreich hat die Wiener Börse AG gem. § 19 Abs. 5 und 6 BörseG 2018 entsprechende Positionsmanagementkontrollen betreffend die gehandelten Warenzertifikate durchzuführen.

Zur Überprüfung der Einhaltung der Positionslimits (tägliche Positionsmeldungen an zuständige Behörde) sowie zur Verbesserung der Markttransparenz (wöchentlicher Positionsreport, der auch zu veröffentlichen ist) sind umfassende Meldeverpflichtungen gegenüber der zuständigen Behörde des Handelsplatzes, an dem Warenderivate gehandelt werden, bzw. ESMA vorgesehen. Die täglichen Positionsmeldungen umfassen eine vollständige Aufschlüsselung der Positionen aller Personen an einem Handelsplatz und in wirtschaftlich gleichwertigen OTC-Kontrakten. Die wöchentlichen Positionsreports inkludieren aggregierte Positionen, die von unterschiedlichen Personenkategorien in den verschiedenen Warenderivaten gehalten werden, welche vom Handelsplatz ebenso zu veröffentlichen sind. ESMA nimmt im Anschluss eine zentrale Veröffentlichung der in diesen Berichten enthaltenen Informationen vor.

Für die in Österreich an der Wiener Börse AG gehandelten Warenzertifikate, deren Emissionsvolumen 2,5 Millionen Stück nicht überschreitet, werden die Meldeverpflichtungen gem. § 3 Warenderivate-VO ausgesetzt. Etwaige Meldeverpflichtungen, für die die FMA nicht zuständige Behörde ist, bleiben davon unberührt.

 

Weitere Informationen