Sie befinden sich hier: 

FMA-Bericht: Neobroker treiben mit digitalem Vertrieb 14%-Wachstum bei Wertpapierdepots im Jahr 2025

Veröffentlichungsdatum: |
Kategorien:

Der österreichische Wertpapiermarkt konnte im vergangenen Jahr seine Kund:innen-Basis deutlich verbreitern. Die Anzahl der bei österreichischen Kreditinstituten geführten Wertpapierdepots stieg um 14% auf 2,87 Millionen. Treiber dieser Entwicklung sind insbesondere digitale und onlinebasierte Geschäftsmodelle, insbesondere von Zweigniederlassungen ausländischer Anbieter in Österreich. Die Markteintritte und das starke Wachstum dieser Anbieter verdeutlichen den anhaltenden Trend hin zu digitalen Wertpapierplattformen. Das zeigt der heute veröffentlichte Bankenvertriebsbericht 2026 der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA).

Die Marktstruktur spiegelt diese Entwicklung wider: Die fünf größten Institute verwalten gemeinsam rund 1,2 Millionen Depots, oder 43% des Gesamtmarktes. Die Zweigstellen europäischer Anbieter haben ihren Marktanteil im Jahr 2025 auf 20% von 13% im Vorjahr gesteigert; sie konnten allen anderen Sektoren Marktanteile abnehmen. Kennzeichnend für die führenden Institute ist ihre starke Ausrichtung auf digitale Vertriebskanäle. Auch die Bedeutung des Wertpapiergeschäfts für die Erträge der Banken steigt: Im vergangenen Jahr wuchsen die Netto-Wertpapierprovisionserträge um 15% auf €1,87 Milliarden.

„Die Digitalisierung ist der wichtigste Türöffner für eine breitere Beteiligung am Kapitalmarkt, vor allem unter jungen Menschen“, so FMA-Vorständin Mariana Kühnel. „Neobanken und Neobroker haben der gesamten Branche klar gemacht, dass man heute Handy-Apps mit smarten Funktionen und Produkten braucht – wie etwa ETFs und Sparpläne. Damit haben sie einen Digitalisierungsschub und Innovationen in der gesamten Industrie bewirkt, auch bei den etablierten Instituten. Der FMA ist auch hier ein Level Playing Field in der Aufsicht wichtig: für Anleger soll es keinen Unterschied im Schutzniveau machen über welchen Anbieter sie ihre Wertpapiere beziehen“

„Neobanken und Neobroker gehören zu jenen Instituten, die die Chancen der europäischen Bankenunion wirklich einlösen – sie expandieren über Grenzen hinweg in alle Länder“, so FMA-Vorstand Helmut Ettl. „Interessant ist dabei: Diese Entwicklung wird von originär europäischen Anbietern getragen, nicht von den großen amerikanischen Tech-Konzernen, wie manche noch vor ein paar Jahren gedacht haben.“

Beschwerden steigen

Ebenfalls einen starken Trend nach oben zeigt die Beschwerdestatistik der Banken. im vergangenen Jahr trafen insgesamt 140.747 Beschwerden bei österreichischen Kreditinstituten ein, 17% mehr als im Vorjahr. Der größte Teil der Beschwerden betraf den Zahlungsverkehr (50.823, +12%) und das Kreditgeschäft (30.490, -8,6%). Bei den Wertpapierdienstleistungen war leider auch das Wachstum der Beschwerden besonders dynamisch mit einem Plus von 70% auf 9.096 Beschwerden.

„Auch bei der FMA melden sich Verbraucher:innen mit Beschwerden über Neobroker und Onlinebanken“, ergänzt Mariana Kühnel. „Wenn wir Missstände identifizieren, achten wir darauf, dass sie konsequent abgestellt werden. Bei grenzüberschreitenden Anbietern arbeiten wir eng mit der Aufsicht im Heimatland zusammen. In der Bankenunion ziehen wir da an einem Strang.“

„Wir möchten den Verbraucher:innen auch ganz klar mitgeben: Der Trend zu preisgünstigen, beratungsfreien Angeboten heißt auch, dass die Anlageentscheidung dann ganz bei einem selbst liegt“, so Helmut Ettl. „Und es kursieren zum Teil sehr mangelhafte Informationen und Finanzmärchen auf Social Media. Wir bauen deshalb als FMA auch unser Angebot im Bereich Verbraucherinformation aus.“

Weitere Themen im Bankenvertriebsbericht 2026:

  • Das aushaftende Volumen bei Verbraucherkrediten stieg 2025 um 6,8% auf €22,5 Milliarden. Die FMA erhält in diesem wichtigen Bereich mit November 2026 erweiterte Aufsichtsbefugnisse und plant für 2027 verstärkte Prüfmaßnahmen.
  • Das Volumen des Betrugs im Zahlungsverkehr steigt – die Zahl der Fälle sinkt, doch sie werden größer. Immer wichtiger werden dabei Fälle, bei denen die Opfer durch Täuschung dazu gebracht werden, selbst Zahlungen freizugeben.

Der Bankenvertriebsbericht 2026 und die Ausgaben der Vorjahre können auf der Website der FMA abgerufen werden. Verbraucherinformationen der FMA finden Sie auch auf der Website „Reden wir über Geld“ und dem gleichnamigen Instagram-Kanal @redenwiruebergeld.

Rückfragehinweis für Journalist:innen

Boris Gröndahl (FMA-Mediensprecher)

Telefon: +43 (1) 249 59-6010

Mobil: +43 676 8824 9995

E-Mail: [email protected]

Nächster News-Eintrag: