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Whistleblower-System

Unseriöse Anbieter erkennen

 

  • Was zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es meistens auch nicht!
  • Kaufen Sie nur, was Sie auch verstanden haben!
  • Informieren Sie sich und seien Sie kritisch!

 

Es gilt die Grundregel: Was zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es meistens auch nicht. Hohe Renditen sind typischerweise mit einem höheren Risiko verbunden. Verkauft man Ihnen daher „Geheimtipps“ bzw. „Wundermittel“, die risikolos hohe Renditen versprechen, ist höchste Vorsicht geboten.

Eine weitere Grundregel lautet: Kaufen Sie nur, was Sie auch verstanden haben. Finanzprodukte sind oft sehr komplex konstruiert und werden oft bewusst noch komplexer präsentiert. Wenn Sie keine Erfahrung mit komplexen Finanzanlagen haben, ist es besser davon die Finger zu lassen. Wenn Ihr Gegenüber das nicht berücksichtigt, oder Ihnen sogar bewusst zu komplizierten Produkten rät, sollten Sie diesem Berater kein Geld anvertrauen. Bitte lesen Sie auch unser 1×1 der Geldanlage.

Interessieren Sie sich für ein Unternehmen, das Sie nicht kennen, sollten Sie sich im Vorfeld gründlich informieren. Dubiose Anbieter enttarnen sich oftmals schon durch eine kurze Internet-Recherche: Behörden wie die FMA veröffentlichen regelmäßig Warnmeldungen, VKI oder Arbeiterkammer warnen auf ihren Websites vor diesen Anbietern, Anleger tauschen ihre Erfahrungen in Foren aus, Zeitschriften berichten in ihren Online-Ausgaben.

Der graue und der schwarze Kapitalmarkt sind jedoch besonders wandlungsfähig, deswegen ist Vorsicht auch bei Unternehmen geboten, über die sich auf den ersten Blick nichts findet. Vieles ist hier eine Frage des “Bauchgefühls“ und erster kleiner Warnsignale:

  • fehlendes Impressum auf der Website,
  • allgemeine Floskeln statt detaillierter Unternehmensinformationen,
  • besonders hochtrabende Werbesprüche und hohe Renditeversprechen,
  • Produktbeschreibungen, die auffällig komplex sind,
  • Sie können viel Geld verdienen, wenn Sie weitere Anleger finden,
  • Schmeicheleien („Sie sind eigens auserwählt…!“) bis Druckausübung („Sie müssen sich unbedingt sofort entscheiden…!“),
  • Sprüche wie „Vermögende und Banken machen auf diese Art seit langem Geld, lassen die kleinen Leute aber nicht daran teilhaben“,
  • Reißerische Kurzvideos im Internet,
  • Es ist schwer nachvollziehbar, von wo aus das Unternehmen wirklich tätig ist,
  • Adressen in Offshore-Destinationen.

Lassen Sie sich jedoch nicht in die Irre führen: Unseriöse Firmen geben sich oft große Mühe, seriös zu wirken und verwenden gerne klingende Namen und professionell gestaltete Internet-Seiten.

Seriöse Anbieter werden Sie in der Regel nicht unaufgefordert kontaktieren. Darüber hinaus ist ein sogenanntes„cold calling“ gemäß § 107 Telekommunikationsgesetz verboten und sollte dem zuständigen Fernmeldebüro zur Anzeige gebracht werden. Werden Sie unaufgefordert kontaktiert, ist dies ein besonders starkes Warnsignal für unseriöse Anbieter. Von dem angebotenen Investment lässt man besser die Finger. Über sogenannte „Boiler Rooms“, eigenen Telefonzentralen, die meist im Ausland ansässig sind, wird gezielt versucht, Anleger zum Kaufen unvorteilhafter beziehungsweise unseriöser Investments zu überreden.

Bei Einladungen zu Produktveranstaltungen unbekannter Anbieter sollten Sie Ihren Blick besonders schärfen. Bedenken Sie, dass die Moderatoren werbestrategisch auf jeden Zweifel vorbereitet sind. Eine Geldanlage sollte wohlüberlegt sein und nicht „Hals über Kopf“ vor Ort geschehen. Infomieren Sie sich nach der Veranstaltung über das jeweilige Unternehmen.

Dies gilt insbesondere für Unternehmen, auf die Sie im Internet stoßen. Das Internet ist voll von Werbungen für fragwürdige Kapitalanlagen. Die Anbieter sind oft durch Ihren Sitz im Ausland schwer greifbar. Seien Sie sich dessen bewusst und prüfen Sie deshalb genau, wer und was hinter dem Angebot steckt.

Wer sicher gehen will, investiert bei Anbietern, die sich in der Liste der beaufsichtigten Unternehmen der FMA finden. Diese müssen strenge Auflagen einhalten und sind im Regelfall leicht greifbar. Gegen ein verlustreiches Investment sind Sie jedoch auch hier nicht geschützt. Dagegen hilft nur eine sorgfältige Risikoabwägung. Hierfür müssen Sie das Produkt genauestens verstanden haben.

Stellen Sie sich deshalb, bevor Sie bei einem Anbieter investieren, folgende Fragen und lassen Sie sich das Produkt genauestens erklären:

  • Wer ist beteiligt?
  • Was geschieht genau mit Ihrem Geld?
  • Worin wird investiert?
  • Wie hoch ist das Risiko? Kann ein Totalverlust eintreten?
  • Wie hoch sind die Gebühren?
  • An wen gehen Gebühren?
  • Gibt es „Ausstiegsszenarien“? Können Sie das gekaufte Produkt kündigen oder weiterverkaufen? Besteht hierfür ein liquider Markt?
  • Wird das Unternehmen von Behörden (etwa der FMA oder der Gewerbebehörde) beaufsichtigt?
  • Ist das Unternehmen im Inland klagbar?

Hier gilt dann wieder: Kaufen Sie nur, was Sie auch verstanden haben!

Bitte beachten Sie auch die häufigsten Betrugsformen

Anleger werden zunächst dazu angehalten, kleinere Beträge zu investieren. Oft werden unbekannte Aktien oder Start-Up-Unternehmen mit ertragreichen Marktnischen vorgetäuscht, über die sich kaum Informationen recherchieren lassen. Dies wird damit begründet, dass es sich um junge Unternehmen oder „Geheimtipps“ handelt. Die ersten kleinen Gewinne sollen den Anleger bei der Stange halten, um ihn zu motivieren einen größeren Betrag zu investieren. Unmittelbar danach wird meist der Kontakt abgebrochen oder der Anleger mit fadenscheinigen Ausreden hingehalten. Geld sieht der Anleger dann nicht mehr.
Dies ist ein Sammelbegriff für die verschiedensten Formen von betrügerischen Modellen, bei dem der Kunde mit einem lukrativen Angebot gelockt wird, jedoch finanziell in Vorleistung treten soll. Dem Anbieter geht es in diesen Fällen einzig und allein um den Vorschuss.

Bekanntester Fall ist das klassische Spam-Mail, in dem Sie von einer unbekannten Person oder Anwaltskanzlei als entfernter Erbe auserkoren wurden und Ihnen große Beträge versprochen werden, wenn Sie bloß Ihr Konto zur Verfügung stellen. Sie sollen im Vorfeld nur kleinere Gebühren für Verträge, für das Übersenden des Geldes oder aus anderen Gründen bezahlen. Die Varianten reichen von vorgetäuschten Liebesgeschichten über Insiderinformationen über Politikerkonten bis zu geheimer Kenntnis von boomenden Goldminen. Auch Modelle, bei denen Ihnen hohe Vermittlerprovisionen versprochen werden, wenn Sie zuvor Produktproben bezahlen, sind gängig. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Häufig wird dabei der Kontakt per E-Mail hergestellt und eine persönliche Ansprache verwendet. Ein deutliches Warnsignal ist in allen Fällen ein krasses Missverhältnis zwischen Ihrem Einsatz und dem in Aussicht gestellten Gewinn.

Ein Schneeballsystem oder Pyramidenspiel liegt dann vor, wenn anstatt eines realen Investments die Gewinne der Anleger durch die Einzahlung neuer Anleger finanziert werden. Gibt es keine neuen Anleger, bricht das System zusammen. Kein Pyramidensystem kann daher langfristig bestehen bleiben. Dies ist für die Anleger oft nicht erkennbar, da ein reales Investment vorgetäuscht wird.

Warnzeichen sind hohe Renditeversprechen und ein ausgefeilter Aufbau von Verdienstmöglichkeiten. Haben Sie das Gefühl, dass der Anbieter weniger Produkte verkaufen will, als Vertriebspartner anzulocken, könnte das auf ein Pyramidenspiel hindeuten.

Schneeballsysteme sind in Österreich, wie in den meisten Ländern, verboten und stehen unter Strafe (§ 168a Strafgesetzbuch).

Vom Pyramidenspiel zu unterscheiden sind die Methoden des Multi-Level-Marketings beziehungsweise Strukturvertriebs. Auch dabei wird über „Untervertriebspartner“ gearbeitet und es stehen oft aufwendig gestaltete Profitsysteme im Zentrum. Hier geschehen aber tatsächliche Investments in reale Produkte. Die Vertriebsstruktur dient einzig dem besseren Absatz, nicht der Auszahlung älterer Anleger.

Boiler RoomsDabei werden massenhaft Anrufe aus eigenen Telefonzentralen getätigt, die Kunden für riskante Investments gewinnen wollen. Hierbei werden aggressive Mittel eingesetzt und Kunden so lange überredet, bis eine Zusage erfolgt. Haben Sie investiert, erhalten Sie oft Informationsmaterial und fiktive Auszüge über Ihr „Depot“. Meist wird nach einiger Zeit der Eintritt eines unerwarteten Ereignisses fingiert, aufgrund dessen Sie nachschießen müssen. Man sagt Ihnen, dass keine Auszahlung erfolgen kann, wenn nicht erneut eingezahlt wird beziehungsweise ein Zusatzprodukt erworben wird. Resultat ist, dass weiter und weiter Nachschüsse verlangt werden, jedoch niemals eine Auszahlung erfolgt.
PhishingDie Täter verschaffen sich zunächst Zugangsdaten zu einem Bankkonto. Dabei wird oft mit sogenannten „Phishing-Mails“ gearbeitet, die Sie unter einem Vorwand auffordern, Ihre Daten auf gefälschten Websites einzugeben. Oder aber, es wird ein Virus in Ihren Computer eingeschleust, der im Hintergrund von Onlinebanking-Sitzungen die Zugangsdaten mitprotokolliert. So können von fremden Konten Überweisungen getätigt werden.

Um das Geld möglichst rasch weiter zu transferieren sucht man über Internetangebote sogenannte „Finanzagenten“, die ihre Konten zur Verfügung stellen sollen. Diesen ist meist nicht bewusst, dass Betrüger involviert sind, da an einen lukrativen Nebenjob geglaubt wird. Es werden zum Beispiel Firmen vorgetäuscht, die Zahlungsschwierigkeiten im Ausland haben. Der Job eines Finanzagenten besteht darin, das einlangende Geld abzuheben und über Money-Transmitter-Systeme ins Ausland zu überweisen. Besonderes Warnsignal ist ein auffallend hoher Verdienst.

Wenn Sie als Finanzagent geködert werden, besteht die Gefahr, dass Sie sich einer Beitragstäterschaft zur Geldwäsche schuldig machen, welche einen gerichtlichen Straftatbestand (§ 165 Strafgesetzbuch) darstellt. Darüber hinaus kann diese Tätigkeit, wenn sie gewerblich betrieben wird, einen konzessionspflichtigen Sachverhalt darstellen. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) wird in diesem Fall verwaltungsstrafrechtliche Schritte einleiten.

 

Zusammenfassend gilt also:

  • Was zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es meistens auch nicht!
  • Kaufen Sie nur, was Sie auch verstanden haben!
  • Informieren Sie sich und seien Sie kritisch!