Kryptobetrug – Von Hackern, falschen Versprechen und utopischen Renditen

Immer häufiger wenden sich Anleger an die FMA, die ihr Geld in Krypto Assets angelegt haben und befürchten Opfer eines Betruges geworden zu sein. Im Zuge der Marktüberwachung haben sich bestimmte, besonders häufig benutzte Betrugsmodelle identifizieren lassen, die im Nachfolgenden kurz dargestellt werden sollen.

Ponzi Scheme

Bei dieser Betrugsform werden Kundengelder in Form von Bitcoin, Ripple, Ethereum etc. unter Versprechung utopisch hoher Renditen und geringem Risiko eingesammelt. Gewinne werden häufig anfangs auch tatsächlich ausbezahlt, allerdings werden diese nicht durch den Verkauf eines bestimmten Assets erzielt. Stattdessen erhalten frühere Kunden Gewinnzahlungen aus den Geldern neuer Kunden. Sobald allerdings ein größerer Teil der Anleger auf einmal eine Auszahlung der Gewinne verlangt oder keine neuen Kunden hinzukommen, bricht das System zusammen.

Fabian F. stößt im Internet auf eine Plattform, auf der ihm folgendes Angebot gemacht wird: Er soll dem Unternehmen zehn Bitcoins zur Veranlagung überlassen. Dafür wird ihm eine monatliche Rendite von 35  Prozent sowie zusätzlich eine tägliche Rendite von 0,2 Prozent versprochen. Nach einiger Zeit können diese Gewinne nicht mehr ausbezahlt werden, der Kontakt zu dem Unternehmen bricht ab und Fabian F. hat sein Investment verloren.

Exit Fraud & Pretend Hacker

Unter „Exit Fraud“ versteht man eine Betrugsmasche, bei der ein Unternehmen zunächst Gelder, zumeist über ein Initial Coin Offering, einsammelt und den Anschein eines aufrechten Geschäftsbetriebes erweckt. Nach einiger Zeit bricht allerdings jeglicher Kontakt ab, die Verantwortlichen sind zumeist nicht ausfindig zu machen und die Kundengelder verschwunden.

Bei „Pretend Hacker“ wird den Kunden vorgegeben, dass ein Hackangriff auf das Unternehmen stattfand und daher die Kundengelder/Krypto-Assets verloren seien. Daraufhin bricht zumeist auch jeglicher Kontakt zu dem Unternehmen ab und Anleger erleiden oft erhebliche Schäden.

Phillip R. hat von dem bevorstehenden ICO eines Unternehmens erfahren, das eine neuartige virtuelle Währung auf dem Markt etablieren möchte. Die Gewinnversprechungen sind so hoch, dass Phillip R. investiert. Einige Zeit später, informiert das Unternehmen Phillip R. über einen Hackerangriff, bei dem sämtliche Gelder verloren gegangen seien. Daraufhin bricht der Kontakt ab und Phillip R. hat all sein Geld verloren.

Vorgaukeln von Kursgewinnen mithilfe von Digitaltechnik

Über soziale Netzwerke werden Anleger auf Trading Plattformen für außerbörsliche Produkte (CFDs, binäre Optionen, Krypto-Assets…) gelockt. Das Versprechen: minimales Risiko, sowie eine Versicherung gegen einen Kapitalverlust, die ab einem gewissen Investment in Kraft tritt.

Die Plattformen werden mit einer eigens von den Betrügern entwickelten Software betrieben, die die Kurse beeinflusst und positiv dargestellt. Sobald Anleger investieren wächst ihr virtuelles Depot rasant an, „ Renditen“ werden aber nicht ausbezahlt. Investierte Gelder verschwinden häufig in einem Konstrukt aus Tarn- und Scheinfirmen.

All dies führt zum Totalverlust des einbezahlten Kapitals.

Herr S. wird in die Facebook-Gruppe „Proffitt 7000“ eingeladen, die schnelles Geld verspricht. Dort wird eine Online-Plattform beworben, die hohe Renditen bei minimalem Risiko verspricht. Und das Beste ist: Ab dem Investment von 7.000 Euro ist man sogar gegen Kapitalverlust versichert! Herr S. wollte zwar ursprünglich nur 5.000 Euro investieren, will aber nicht auf die Versicherung verzichten, also investiert er 7.000 Euro.

Nach den ersten Transaktionen steigt der Wert seines virtuellen Depots rasant an. Als er sich sein Guthaben ausbezahlen lassen will, wird er telefonisch unter Druck gesetzt dies nicht zu tun, sondern weiteres Geld zu investieren, was er dann auch macht.

Einige Wochen später liest er in den Medien von einem internationalen Cyber-Trading-Betrug. Eine der in den Medienberichten genannten Plattformen ist “Proffitt 7000“. Herr S. erleidet einen finanziellen Totalverlust. Seine Gelder sind in einem Geldwäscherei-Netzwerk aus Tarn- und Scheinfirmen verschwunden.

Pump and Dump

Eine Gruppe von Personen kauft große Mengen eines unbedeutenden Krypto-Assets auf. Danach werden durch gezielte Verbreitung von Falschinformationen über soziale Medien gutgläubige Investoren angelockt, woraufhin der Kurs steigt („Pump“). In Folge verkaufen die Betrüger alle ihre Coins und der Kurs bricht zusammen („Dump“). Die Mitglieder der Anfangsgruppe haben dadurch einen Gewinn erzielt, die gutgläubigen Investoren einen hohen Verlust.

Rugpull

Ein neues Krypto-Projekt wird gestartet, oft mit einem eigenen Token und großer Online-Präsenz (z. B. Webseite, Social Media, „Telegram“-Gruppe). Die Entwickler versprechen hohe Gewinne, innovative Technik oder ein „neues Bitcoin“. Investor:innen kaufen früh ein – der Token steigt im Preis. Sobald genug Geld im System ist, entnehmen die Entwickler:innen alle Mittel – meist durch das Leeren von Liquiditätspools. Das Projekt verschwindet, der Token ist wertlos – das Geld ist weg.

  • Fear of missing out (FOMO): Alle reden drüber – man will nicht zu spät sein.
  • Hohe Gewinnversprechen: 100% in kurzer Zeit klingt verlockend.
  • Soziale Bestätigung: Fake-Kommentare, Influencer und scheinbar „echte“ Nutzer bauen Vertrauen auf.
  • Schnelligkeit: Projekte sind oft nur wenige Tage oder Wochen online – kein Platz für gründliche Prüfung.

Ransomware – Erpressung mit Schadsoftware

Die Täter schleusen Schadsoftware auf Ihren Computer – meist durch einen harmlos aussehenden E-Mail-Anhang oder einen manipulierten Link. Ist die Software dann aktiv, wird der Computer gesperrt oder alle Daten werden verschlüsselt. Dann erscheint eine Nachricht: „Wenn Sie wieder auf Ihre Daten zugreifen wollen, zahlen Sie X Euro in Bitcoin.“

  • Man öffnet eine scheinbar harmlose Paketbenachrichtigung per Mail.
  • Die Nachricht wirkt professionell oder drängt zur schnellen Reaktion („Ihr Konto wird gesperrt…“).
  • Nach dem Klick merkt man nichts – erst Stunden später erscheint die Erpressernachricht.

Weil viele denken, es trifft nur Firmen, aber es sind auch Privatpersonen mit Fotos, Dokumenten oder Steuerdaten angreifbar. Aus Angst, Geld und Ehre zu verlieren, wird dann bezahlt.

Romance Scam & „Pig Butchering“ – Betrug mit Gefühl und Vertrauen

Die Betrüger kontaktieren Menschen über soziale Netzwerke oder Dating-Plattformen. Wochenlang schreiben sie charmant, liebevoll, verständnisvoll und bauen emotionales Vertrauen auf. Dann erzählen sie von einer tollen Investitionsmöglichkeit in Krypto-Assets – oder bitten um Hilfe bei einer finanziellen Notlage.

  • Die Betrüger geben sich oft als erfolgreiche Geschäftsleute, Soldaten im Ausland oder Auswanderer aus.
  • Die Kommunikation wirkt echt: tägliche Nachrichten, gemeinsame Zukunftspläne, Videotelefonie oft mit Deepfakes, das sind täuschend echt wirkende Fälschungen von Videos, Bildern oder Stimmen, die mithilfe künstlicher Intelligenz mit dem Ziel, Menschen zu täuschen oder zu betrügen, erstellt werden.
  • Irgendwann wird der Wunsch nach Geld geschickt eingebaut – z. B. als „Test-Investition“ in eine angeblich seriöse Krypto-App.

Weil das Vertrauen über Wochen aufgebaut wird – und Betroffene oft einsam und emotional tief involviert sind. Sie zweifeln nicht mehr, auch wenn Familie oder Freunde warnen.

Krypto-Erpressung per Telefon (Microsoft- & Polizei-Trick)

Betrugsopfer bekommen einen Anruf, Betrüger geben vor, angeblich von Microsoft, der Polizei oder der Bank zu sein. Es sei ein Betrugsversuch im Gange und man müsse dringend handeln, um das Konto zu schützen. Die Täter leiten die Opfer auf eine Website oder direkt zu einem Krypto-Automaten.

  • Der Anruf ist täuschend echt: der Name am Display wirkt vertrauenswürdig.
  • Die Person am Telefon klingt kompetent und besorgt.
  • Die Anweisungen wirken logisch: „Schützen Sie Ihr Geld, indem Sie es in Krypto-Assets umwandeln.“

Weil man in Stress und Angst gerät. Die Täter üben gezielt Druck aus und lassen kaum Zeit zum Nachdenken.

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