FMA-Bericht zur Lage der österreichischen Versicherungswirtschaft: Investments abseits der Kapitalmärkte im Niedrigzinsumfeld attraktiver; Cyber-Resilienz der österreichischen Versicherungsbranche derzeit noch stark „Bottom-Up“ getrieben | FMA Österreich

FMA-Bericht zur Lage der österreichischen Versicherungswirtschaft: Investments abseits der Kapitalmärkte im Niedrigzinsumfeld attraktiver; Cyber-Resilienz der österreichischen Versicherungsbranche derzeit noch stark „Bottom-Up“ getrieben

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Die österreichische Finanzmarktaufsicht hat heute ihren Bericht über die Lage der österreichischen Versicherungswirtschaft veröffentlicht. Die österreichischen Versicherer verwalteten zum 30. Juni 2019 ein Vermögen in der Höhe von 132 Mrd. Euro. Sie halten im Allgemeinen konservative, von Anleihen dominierte Portfolios, die großteils die langfristigen Verpflichtungen in der Lebensversicherung bedienen. Rund 68 Mrd. Euro, das sind rund 60% des Gesamtvermögens, waren in Staats- und Unternehmensanleihen sowie Anleihen-Fonds investiert. Im Unterschied zu anderen europäischen Ländern ist die österreichische Versicherungswirtschaft stärker in Unternehmensanleihen (26%) als in Staatsanleihen (21%) investiert. Hingegen liegt der Heimmarktanteil der Anleihen-Portfolios mit nur 25% unter dem europäischen Durchschnitt.

Trend zu nicht börsennotierten Anlageklassen

Europaweit ist ein Trend zu nicht börsennotierten Anlageklassen festzustellen. Das anhaltende Niedrigzinsumfeld und die tendenzielle Verschlechterung der Wirtschaftslage führen zu einem Anstieg des Kreditrisikos von Anleihen mit niedriger Bonität. Entsprechend dem internationalen Trend zählen Immobilien mit mehr als 10% Gesamtmarktanteil zu den attraktivsten Anlageklassen. Der Immobilien-Anteil an den UGB-Finanzerträgen ist in den letzten 10 Jahren von 3,5% in 2008 auf 8,1% in 2018 gestiegen und hat sich damit mehr als verdoppelt.

Zeichen für Search-for-Yield Verhalten im Niedrigzinsumfeld zeigen die Portfolios einzelner Versicherer z.B. durch die Aufstockung von Anleihen mit langen Laufzeiten und niedriger Kreditqualität sowie von Darlehen und Immobilien. Vor dem Hintergrund neuer regulatorischer Anreize haben sich die Investments in Infrastruktur seit 2016 mehr als verdreifacht. Zum 30. Juni 2019 haben die österreichischen Versicherungsunternehmen erstmals mehr als 1 Mrd. Euro in Infrastruktur investiert. Dass im internationalen Vergleich Search-For-Yield in Österreich insgesamt weniger stark ausgeprägt ist, dürfte an den diversifizierten Geschäftsmodellen, an den vorsichtigen Deckungsstock-Bestimmungen bzw. an den noch relativ langen Restlaufzeiten der Anleihen-Portfolios liegen.

Cyber-Resilienz der österreichischen Versicherungsunternehmen

Auf Basis der FMA-Digitalisierungsstudie über den österreichischen Finanzmarkt legte die FMA 2019 einen besonderen Fokus auf die Verwundbarkeit des österreichischen Versicherungssektors gegenüber Cyber-Risiken. Um die Cyber-Resilienz der österreichischen Versicherungsbranche sowie mögliche Aufholfelder beurteilen zu können, entwickelte die FMA ein Analysetool, um den Vorbereitungsstand der österreichischen Versicherungswirtschaft hinsichtlich Cyberrisiken messen zu können (Cyber Maturity Level Assessment-Tool). Die Ergebnisse zeigen, dass die österreichischen Versicherer im Durchschnitt bereits wesentliche Maßnahmen zur Gewährleistung der Cybersicherheit getroffen haben. Auffallend ist allerdings die große Diskrepanz zwischen dem technischen und organisatorischen Reifegrad. Insgesamt ist Cybersicherheit in den Versicherungsunternehmen derzeit stark „Bottom-Up“ getrieben. So haben lediglich vier von zehn Unternehmen bereits explizit eine Cybersicherheitsstrategie beschlossen. Die höchsten Reifegrade erreichen die Unternehmen in den Bereichen IT-Assets (Aktualität, Vollständigkeit und Automatisierung der Inventarisierungsprozesse von Hard- und Software), Berechtigungskonzepte und Netzwerksicherheit. In den Bereichen Sicherheitskonfiguration und Datensicherung ergibt sich jeweils ein gemischtes Bild. Grundlegende Maßnahmen wie der Betrieb eines Virenscanners und die Backup-Sicherung von Daten werden weitgehend umgesetzt, weiterführende Maßnahmen wie zum Beispiel der Einsatz spezialisierter Software zum Schutz von Datenbanken sind bei den Versicherungsunternehmen noch nicht weit verbreitet. Auch Schwachstellenmanagement und Patch Management sind bei einigen Unternehmen noch verbesserungswürdig. Aufholbedarf gibt es darüber hinaus beim Schutz von Administratorenkonten sowie bei den technischen Schutzmaßnahmen im Bereich Protokollierung und Überwachung.

Den gesamten Bericht finden Sie online auf der FMA-Website

Rückfragehinweis für Journalisten

MMag. Annemarie Bauer, Bakk.

+43/(0)1/24959-6007